Zentrales Anliegen des Konfuzianismus ist die Fundierung des einzelnen,
der Familie und des Staates in der Moral, die sich in den 5 konfuzianistischen
"Kardinaltugenden" verwirklicht: Gegegenseitige Liebe, Rechtschaffenheit,
Weisheit, Sittlichkeit und Aufrichtigkeit
Die Beziehung der Menschen zueinander und das Verhalten miteinander
stehen hierbei im Fokus. Im Gong Fu legen wir besonderen Wert darauf,
dass der Jüngere dem Älteren bzw. der Schüler dem Lehrer
Respekt und Achtung entgegenbringt. Andererseits sollte sich aber
auch der Lehrer stets seiner Verantwortung und seiner Fürsorgepflicht
den Schülern gegenüber bewusst sein.
Was ich nicht wünsche, dass mir geschieht, das tue ich auch
keinem anderen an“ (Konfuzius)
Buddhismus
Von den verschiedenen buddhistischen Wegen ist für die chinesische
Kampfkunst vor allem der Chan-Buddhismus von Bedeutung. Ein wesentlicher
Kern des Buddhismus ist die Erkenntnis, dass zum Leben neben Freude
auch Leid gehört. Der Buddhist lehnt rationales Denken ab und
sucht sein Glück im Wege der Meditation.
Im Gong Fu sind buddhistische Gedanken vor allem in der Einstellung
zum Training und zum Kampf zu finden. Jede Möglichkeit zu handeln
soll intuitiv erfasst und Lücken unterbewusst erkannt werden.
Zu dem kann bzw. soll Formen-Training meditative Züge haben.
Die Konzentration gilt beispielsweise bei der Ausübung der
Siu Nim Tau stets jeder einzelnen Bewegung, die man gerade ausführt:
- "Wenn du gehst, geh"
- "wenn du stehst, steh"
- "wenn du redest rede"
- "wenn du einatmest, atme ein"
- "wenn du schläfst, schlafe"
...
aber schwanke nicht!
Taoismus
Ein wesentlicher Aspekt des Taoismus ist die Harmonie zwischen Gegensätzen,
das Zusammenspiel von Yin und Yang. Eine taoistische Grundhaltung,
um mit der Dualität des
Lebens umzugehen, ist die des absichtslosen
Handelns, auch Wu-Wei-Prinzip genannt.
Der Taoist bemüht sich
spontan und offen, einfach und biegsam, nicht stark und nicht hart
zu sein – er versucht grundsätzlich nicht gegen, sondern
im Einklang mit der Natur und seinem Umfeld zu agieren. Gong Fu
kann als in Bewegung umgesetzter Taoismus verstanden werden.
Kraft wird nicht mit Kraft bekämpft.Man nimmt im Gong Fu die
Energie des Angreifers auf, gibt nach, weicht aus, um dann mit reflexartigen
Verformungen in Lücken vor zu stoßen.
Gong Fu ist wie ein Fluss, der ins Meer fließt
„In der ganzen Welt gibt es nichts Schwächeres und Weicheres
als Wasser, und doch kommt ihm nichts gleich in der Art, wie es
dem Harten zusetzt“ (Tao Te King)